Aus dem KSTA: "Der Kampf um die Fläche"

Köln, 30.05.2022. Nach einem Gespräch mit BFW NRW-Geschäftsführerin Elisabeth Gendziorra und Hermann Jutkeit, Geschäftsführer der Kölner Projektentwicklungsgesellschaft Baudata und BFW-Mitglied, veröffentlichte der Kölner Stadtanzeiger heute unter dem Titel "Kampf um die Fläche" einen Artikel zum Thema Schaffung von Wohnraum.

VON OLIVER GÖRTZ

Der Kampf um die Flächen in der Stadt ist unerbittlich. Wohnen, Gewerbe, Grün und Freizeitbereiche, Industrie, Verkehr, alle wollen mehr Platz. Aber der gesamte Platz ist vergeben, und jeder, der mehr bekommt, nimmt es anderen weg. Neuer Wohnraum ist besonders knapp, vor allem für Familien, Tausende Wohnungen fehlen. Die Verlockung ist groß, Grünflächen als Baugebiete auszuweisen und sie damit allerdings womöglich zu versiegeln. Das brachte die Naturschutzorganisation BUND auf den Plan, die radikale Forderungen stellte: Unter anderem dürfe es keine Einfamilienhaus-Siedlungen mehr geben, und Neubauprojekte auf der grünen Wiese wie Kreuzfeld seien zu stoppen (der„Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete).

Der Bundesverband der Freien Wohnungsbauwirtschaft (BFW) hält nun dagegen. Umweltverträgliches Bauen auf neuen Flächen sei möglich und sogar zwingend nötig, um überhaupt eine Chance gegen den Wohnungsmangel zu haben, heißt es. Die „Bodenzerstörung durch Neubau auf neuen Flächen“ müsse aufhören, forderte der BUND in einem Positionspapier. Der BFW ist indes der Meinung, dass die
Flächenversiegelung durch eine moderne Gestaltung der Neubauten kompensiert werden könne. Begrünte Dächer und Fassaden, nachhaltige Dämmstoffe, Strom und Wärme ausschließlich aus nicht fossilen Energieträgern, gezielte Anlage von neuen Grünbereichen, eine Anordnung der Gebäude, die keine Kaltluftschneisen stört, mit solchen Maßnahmen könne das gelingen. „Ein brachliegender Acker bietet weniger Biodiversität als nachhaltiger Wohnungsbau“, sagt BFW-Geschäftsführerin Elisabeth Gendziorra. Wien, das gern und auch vom BUND als Wohnungsbauwunder zitiert wird, schaffe zwar jährlich bis zu 17 000 neue Wohnungen, sagt Hermann Jutkeit, Geschäftsführer der Kölner Projektentwicklungsgesellschaft und BFW-Mitglieds Baudata. „Die meisten davon entstehen aber in Außenbereichen der Stadt.“

Der BUND setzt in seinem Positionspapier unter anderem auf Nachverdichtung durch Aufstockungen bestehender Häuser und Schließung von Baulücken sowie der Bebauung ehemaliger Industriegebiete, die ja schon versiegelt seien. Das jedoch reiche nach Meinung des BFW bei weitem nicht aus, um den Bedarf an neuem Wohnraum zu decken. Zunächst einmal müssten die Eigentümer überhaupt bereit sein, ihre Häuser aufzustocken. Dann verhindere die Nachverdichtung möglicherweise Luftbewegungen, wenn etwa am Abend die Wärme aus der Stadt entweichen soll. Denn anders als bei zuvor geprüften Neubauten könnten die Positionen der aufgestockten Gebäude oft nicht an die Luftströme angepasst werden. Auch bräuchten die neuen Bewohner nachverdichteter Innenstadtbereiche eine soziale Infrastruktur wie Schulen und Kitas, die der BUND nicht ausreichend bedacht habe.

Die Bebauung von ehemaligen Industrieflächen sei ebenfalls kein Allheilmittel. Die Flächen würden sich eher für neues Gewerbe eignen, das ebenfalls Platz suche, was zudem kürzere Transportketten und damit weniger Lieferverkehr ermögliche.„Der ausschließliche Focus auf Nachverdichtungen im Siedlungsbestand kann wegen der damit verbundenen bau- und eigentumsrechtlichen Probleme kurz- bis mittelfristig keine ausreichend große Zahl an Wohnungen erbringen“, resümiert der BFW.

Sowohl BUND und BFW fordern also mehr Wohnraum, wenngleich auf teilweise unterschiedlichen Wegen. Nachverdichtung sei nach Meinung des BFW durchaus ein Aspekt, reiche aber nicht aus. Das könne nur mit Erschließung neuer Wohnungsbauflächen in den Außenbereichen geschehen, die aber nach stadtklimatischen und ökologischen Aspekten entwickelt werden müssten.

Zudem fordert der Verband alle Arten von Wohnräumen, Einfamilienhäuser ebenso wie Geschosswohnungsbau, Senioren- und Single-Apartments sowie ausreichend geförderter Wohnungsbau, inklusive der dazugehörenden sozialen und verkehrlichen Infrastruktur. Nur so könne den explodierenden Grundstückspreisen und Mieten Einhalt geboten werden.„Wir müssen die soziale Mischung in der Stadt erhalten“, betont Jutkeit. Er sei mit den„Oberzielen“ des BUND durchaus einverstanden, wolle jedoch „auf neue tragfähige Lösungen zum Klimaschutz und zur Klimawandelanpassung setzen als auf Stoppschilder“.

 

 



 

 

 

 

 

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