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Von Leerstand zu Lebensraum: Wie sich Städte neu erfinden


01. Dezember 2025

Düsseldorf, 01.12.2025. Das BFW NRW Expertenforum Quartiersentwicklung, das nun zum zehnten Mal bei BFW-Mitglied Bauwens ausgerichtet wurde, bot der Immobilienbranche eine Plattform, um die aktuellen Herausforderungen analytisch wie praxisnah zu diskutieren. Im Mittelpunkt: Wie sich urbane Räume von Orten des Konsums in Lebensräume wandeln, die ökonomische Effizienz und sozialen Mehrwert vereinen.

Nach der Begrüßung durch Dr. Katrin Grumme (BFW) und Stefan Höher (Bauwens) eröffnete Jörg Lehnerdt (BBE) die Veranstaltung mit einem Plädoyer für „Lebensraum statt Leerstand“. Lehnerdt betonte den Paradigmenwechsel im Konsumverhalten: Die Generation Z lebt und konsumiert anders als die Babyboomer, die die Filialnetze dominierend prägten. Die Folge: Klassische Einkaufsstraßen verlieren an Bedeutung, während hybride Quartiere – eine Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit – zunehmend gefragt sind. Grüne Innenhöfe, urbanes Wohnen und eine vielfältige Nutzungsmischung sind in der Stadtplanung längst keine Option mehr, sondern strategische Voraussetzung für zukunftsfähige Quartiere.
Max Schultheis (MXS Real Estate Consulting) widmete sich anschließend den technischen und wirtschaftlichen Strate-gien für eine erfolgreiche Quartiersentwicklung. Seine zentrale Botschaft: Nachhaltigkeit ist ohne Marktkenntnis, ökonomische Planung und technische Expertise nicht zu realisieren. Die Praxisbeispiele, die danach vorgestellt wurden, machten diese Theorie anschaulich: Die Hellerhöfe in Frankfurt-Gallus transformieren das ehemalige F.A.Z.-Areal. Bauwens und die Frankfurter Allgemeine Zeitung entwickeln hier 540 Mietwohnungen (30 % öffentlich gefördert), ergänzt durch Büroflächen, Einzelhandel und Gastronomie. Zwei Kitas und eine neue Schule sind integraler Bestandteil des Quartiers, die durchdachte Blockrandstruktur und grüne Innenhöfe schaffen Lebensqualität für alle Generationen (Ina Jöst, Bauwens).
Ebenfalls exemplarisch zeigte Dr. Achim Buschmeyer (Derichs und Konertz) mit dem Office West in Aachen, wie Büroneubau im Quartierskontext funktionieren kann. Direkt am RWTH Aachen Campus Melaten entsteht eine viergeschossige, mäanderförmige Struktur mit begrünten Lichthöfen.

Nachfrage nach Bestandswohnungen
Dirk Hünerbein (Unibail-Rodamco-Westfield) ergänzte die Diskussion durch den Blick auf das Westfield Überseequartier Hamburg: Entertainment, Stadtgestaltung und die Verknüpfung mit dem städtischen Gefüge seien entscheidend, damit Quartiere erfolgreich werden.
Marcus Paul (JLL) analysierte die Rahmenbedingungen für Quartiersentwickler in den Metropolen. Das Bevölkerungswachstum von +7,4 Prozent in den Kernstädten zwischen 2015 und 2022 eröffnet Chancen, während Inflation, steigende Finanzierungskosten und ESG-Anforderungen Risiken darstellen. Als Beispiel für zukunftsweisende Quartiersentwicklung nannte Paul die Deiker Höfe in Düsseldorf: Autofreie Flächen, intensive Begrünung und DGNB-Gold-Zertifizierung verbinden ökonomische Tragfähigkeit mit nachhaltiger Lebensqualität.

Kostenprobleme trotz Bauturbo
Abschließend rückte die Diskussionsrunde mit Dirk Hünerbein, Marcus Paul und Benjamin Schümer den Bauturbo ins Zentrum: Einhellige Meinung: Zwar beschleunigt dieser Planungs- und Genehmigungsprozesse, löst aber nicht die strukturellen Kostenprobleme von Grundstücken, Baumaterialien und Fachkräftemangel.