„Architektur ist viel mehr als ein Bauplan“

Düsseldorf, 14.07.2025. Von Teheran nach Essen – dieser Weg klingt nicht nur geografisch spannend, sondern erzählt auch von einem besonderen Werdegang. Wir haben mit Architektin Chorschid Shoai über ihre Anfänge, den Dreiklang aus Architektur, Baurecht und Vermessung sowie ihre Vision für das Bauen im Bestand gesprochen.
Frau Shoai, schaut man auf Ihren Werdegang, ist klar: Ihr Blick aufs Bauen ist weit und vielschichtig.
Ich wurde in Teheran geboren und kam mit sechs Jahren mit meinen Eltern nach Deutschland. Meine Begeisterung für Mathematik und Kunst hat mich zur Architektur geführt. 2009 habe ich mein Studium an der FH Dortmund erfolgreich abgeschlossen. Danach habe ich unterschiedliche Facetten des Bauens kennengelernt: Ob in verschiedenen Ingenieur- und Architekturbüros oder beim Amt für Stadtplanung und Bauordnung – ich habe viel darüber gelernt, wie man technische Planung und baurechtliche Abläufe sinnvoll miteinander verzahnt. 2013 habe ich mich selbstständig gemacht. Das war die perfekte Option, um Arbeit und Familienplanung unter einen Hut zu bringen.
Sie sprechen von einem Dreiklang – Architektur, Baurecht und Vermessung. Was meinen Sie damit genau?
Für mich gehören diese drei Bereiche untrennbar zusammen. In meinem Architekturbüro arbeiten wir interdisziplinär und aufgrund meiner Wurzeln auch international. Wir betrachten ein Projekt nie nur aus architektonischer Sicht, sondern beziehen von Anfang an baurechtliche und vermessungstechnische Aspekte mit ein. Das ist vor allem beim Bauen im Bestand essenziell. Ein denkmalgeschütztes Haus erfordert eine ganz andere Herangehensweise als ein Neubau auf der grünen Wiese.
Was bedeutet Bauen im Bestand für Sie auch in Hinblick auf Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit beginnt für mich mit dem Respekt vor dem Bestehenden. Warum abreißen, wenn man weiterdenken kann? Es geht darum, Gebäude mit technischer Präzision zu erfassen – etwa per 3D-Laserscan – und klug weiterzuentwickeln. So entstehen Lösungen, die nicht nur ressourcenschonend, sondern auch wirtschaftlich tragfähig sind. Und oft entstehen dabei auch architektonisch spannende neue Räume.
Sie engagieren sich in diversen Fachverbänden und Netzwerken. Was treibt Sie an?
Der Austausch! Ich bin Mitglied im Verband für Bauen im Bestand, weil ich davon überzeugt bin, dass wir gemeinsam schneller vorankommen, gerade bei komplexen Themen wie Umnutzung, Sanierung oder Nachverdichtung. Zudem bin ich u. a. im Internationalen Unternehmerverband RuhrStadt und bei der Architektenkammer NRW aktiv. Dort stehen soziale Verantwortung, unternehmerische Impulse und architektonische Innovationen im Mittelpunkt.
Stichwort Innovation: Digitalisierung ist in aller Munde. Wie digital ist Ihr Architekturbüro schon aufgestellt?
Digitalisierung ist fester Bestandteil unserer täglichen Arbeit – vom ersten Aufmaß bis zur fertigen Planung. Neben der bekannten Methode des Building Information Modeling (BIM) haben wir mit unserer 3D-Laserscantechnologie und der Softwarelösung Ivion einen eigenen, präzisen Weg entwickelt, um verlässliche Grundlagen für alle weiteren Planungsschritte zu schaffen. Aber: Technik ist kein Selbstzweck. Am Ende planen wir immer für Menschen. Für die, die in den Gebäuden leben, arbeiten oder sie bauen. Diese Perspektive darf nie verloren gehen.